Der Dispositionskredit – Dispokredit oder noch kürzer Dispo – erlaubt, das
Girokonto innerhalb eines fest abgesteckten Rahmens zu überziehen. Da diese Option bei den meisten Konten besteht, ausgenommen Schüler und reine Habenkonten, ist der Dispo der meist genutzte (Klein-)Kredit in der Bundesrepublik. Schließlich scheint es recht praktisch und angenehm, mehr Geld ausgeben zu dürfen, als auf dem Girokonto vorhanden ist. Dem Nutzen stehen allerdings hohe Kosten gegenüber. Von daher ist auch der Dispositionskredit eine Medaille mit zwei Seiten.
Dispositionskredit erhalten
Viele Banken räumen den Dispo automatisch ein. Teils von Anfang an, sofern die Bonität des Kunden als ausreichend eingestuft wird. Teils auch erst, nachdem erste Zahlungs- respektive Gehaltseingänge verbucht wurden. Ansonsten besteht jederzeit die Möglichkeit, einen Dispositionskredit zu beantragen. Vorausgesetzt wird, dass der Kunde volljährig ist, ein regelmäßiges Einkommen bezieht und bislang noch nicht negativ aufgefallen ist, sprich: Die Schufa-Akte darf kein Negativ-Merkmal enthalten. Sind diese Bedingungen erfüllt, ist der Dispokredit nur einen Anruf oder schriftlichen Antrag entfernt – je nach Vorgabe der Bank.
Höhe des Dispositionskredites
In welcher Höhe das Konto später überzogen werden darf, richtet sich nach vielen Kriterien. Der wichtigste Aspekt ist nach wie vor das Einkommen. Damals wie heute kann grob mit dem Zwei- bis maximal Dreifachen des Nettogehalts gerechnet werden, wobei inzwischen auch ein Blick auf das bisherige Zahlungsverhalten geworfen wird. Kunden, die vorbildlich wirtschaften, dürfen dementsprechend auf einen etwas größeren Kreditrahmen hoffen. Aber: Ausnahmen bestätigen die Regel. Letztlich kommt es auf die internen Richtlinien des Kreditinstitutes an, wie viel Spielraum zur Verfügung gestellt wird.
Die Kosten für den Dispo
Ganz uneigennützig agieren Banken nicht, wenn sie einen Dispokredit bewilligen. Sie verdienen sehr gut an dieser Kreditform. Der Dispo zählt zu den teuersten Krediten auf dem Markt. Diese Aussage lässt sich allerdings nicht für alle Unternehmen pauschalieren. Während einige Banken deutlich unter zehn Prozent Zinsen für den Dispokredit verlangen, langen andere mit 15 und mehr Prozent zu. Kunden, deren Konto öfter ins Minus rutscht, sind daher gut beraten, sich vor der Kontoeröffnung mit den genauen Konditionen für den Dispo zu befassen. Auch in diesem Punkt lohnt sich ein Girokontovergleich. Denn zwischen etwa neun und 17 Prozentpunkten liegen Welten, selbst wenn das Konto nur um rund 100 Euro in den roten Zahlen sein sollte. Im Laufe der Zeit summieren sich die Kosten und belasten das Budget unnötig.
Disporahmen überziehen
Sollten unvorhergesehene Ausgaben oder ein kurzfristiger Engpass dafür sorgen, dass nicht nur das Konto, sondern auch der von der Bank vorgegebenen Dispositionsrahmen überzogen wird, müssen Kunden schnell reagieren. Viele Banken tolerieren zwar, dass das Konto tiefer im Minus ist, verlangen dafür allerdings auch deutlich höhere Zinsen als beim Dispo. In Rechnung gestellt werden bis zu 20 Prozent. Man spricht in dem Zusammenhang von einer geduldeten Überziehung. Das gilt in der Regel allerdings nur, wenn die Bank vorher darauf aufmerksam gemacht wurde und der Überziehung zugestimmt hat. Kommt es öfter vor, dass sich der Kontostand außerhalb des Limits bewegt, droht ansonsten Ärger. Die Bank kann den Dispositionskredit von heute auf morgen kündigen und den gesamten ausstehenden Betrag zurückverlangen. Im schlimmsten Fall erfolgt ein negativer Eintrag bei der Schufa, weil der Kunde gegen die Kreditregeln verstoßen hat. Das gilt es zu vermeiden, und rechtzeitig mit der Bank zu sprechen.
Dispokredit erhöhen
Um diesen Problemen von vornherein aus dem Weg zu gehen, kann die kontoführende Bank auch gebeten werden, den Dispositionsrahmen zu erhöhen. Ob dieser Bitte nachgekommen wird, richtet sich wie gehabt nach dem Einkommen, der Kreditwürdigkeit und dem Finanzgebaren. Wer ständig im Minus ist, hat kaum eine Chance, dass die Bank ein Entgegenkommen zeigt. Das Risiko eines Kreditausfalls wäre in dem Fall zu hoch.
Gefahren des Dispokredites
Grundsätzlich ist der Dispo nur für den kurzfristen Finanzbedarf geeignet. Das Konto längere Zeit im Minus zu belassen und den Kreditrahmen vollends auszuschöpfen, birgt Gefahren. Zum einen wird die Zinsbelastung immer größer. Zum anderen, was viel schwerer wiegt, droht die Überschuldung, weil das Konto irgendwann nicht mehr ausgeglichen werden kann. Ein Ausweg, um zumindest die Kreditkosten zu senken und nicht länger die hohen Dispositionszinsen zahlen zu müssen, ist ein günstiger Ratenkredit. Der Dispo würde dann kurzerhand umgeschuldet. Eine weitere Alternative: der Rahmenkredit. Auch er ist günstiger als der Dispokredit, aber deutlich schlechter geeignet als ein klassischer Ratenkredit, weil es keine festen Ratenvereinbarungen gibt.